elisabeth hauner

kunst

Eigentlich ist doch schon alles gesagt
5. Juli 2021

Letzten Sonntag lag ich mit Migräne flach und am Montag gings mir immer noch so miserabel, dass ich bis zum Nachmittag im Bett geblieben bin. Am Dienstag hatte ich dann das Gefühl nichts zu erzählen zu haben. Irgendwie ist alles gesagt. Ich will mich ja nicht permanent wiederholen und Gähnattacken auslösen. Andererseits müssten dann irgendwie alle die Klappe halten und das wäre auch fad. Und so findest Du heute wieder einen early-bird in Deinem Postfach 😎

Wegen der Migräne war ich ja schon vor ein paar Wochen bei meinem Hausarzt, der mir unter zwei verschiedenen Ansätzen Vorschläge gemacht hat, wie man da dran gehen könnte. Zum einen ohne Medikation mit einer nächtlichen Beißschiene und/oder einem Seitenschläferkissen. Das Seitenschläferkissen hatte ich schon mal, das hab ich vor ca. zwei Jahren rausgeschmissen aus meinem Bett. Also zum Zahnarzt. Die Schiene habe ich jetzt seit 2 Wochen. Trage ich nächtlich außer am Wochenende, wenn Wolfgang da ist 😉 Wahrscheinlich braucht das auch seine Zeit bis sich mein System darauf einstellt und entspannt. Dazu habe ich tatsächlich Physio bzw. Ostheopathie von der Zahnärztin verschrieben bekommen. Die fuhrwerkt jetzt hauptsächlich an meinem Kopf, insbesondere an meinem Kiefer rum und versucht auf diesem Weg Entspannung einzuladen. Die Medikamentenversion habe ich zu Hause mit der Sicherheit, dass ich sie nie anwenden werde. Die Hoffnung war, dass sich die Migräne nicht “rein traut”, wenn ich diese Hämmer im Küchenschrank habe. Hat natürlich nicht funktioniert. Ich bekam tatsächlich einen Betablocker verschrieben. Ich habe echt mit mir gerungen, ob ich ihm sage, dass er sich den sonst wohin schieben könne. Die Höflichkeit hat gesiegt, aber wie gesagt nehmen werde ich den sicher nicht. Auch die Triptane werde ich nicht anrühren. Ich habe den Beipackzettel gelesen. Sollte man nicht machen. Aber es geht einfach nicht. Ich nehm ja noch nicht mal Ibuprofen. Und außerdem wußte ich diesmal genau warum ich die Migräne bekommen habe – das ist aber eine ganz andere Geschichte.

Heute wollte ich von meinem Kinobesuch erzählen. Seit Donnerstag haben wieder viele Kinos geöffnet und ein Film steht schon lang auf der Liste und so habe ich sofort am Donnerstag in der Früh “artechock” bemüht um die Kinos zu checken. Leopoldkino in Schwabing 19:30. Perfekt. Ich habe mich richtig darauf gefreut – ich bin schon immer gern ins Kino gegangen. Mein erster Film an den ich mich bewußt erinnere war der James Bond Film “Moonraker” im Mathäser Kino. Da war ein Typ dabei, der die Rolle des Bösewichts inne hatte, den ich als “Beißer” in Erinnerung habe. Vielleicht war der einfach auch nur verspannt und hätte eine Schiene gebraucht? Damals war das ein einziger riesiger Kinosaal. Heute gibt es dort 14 Kinosäle in einem Ambiente, dass für mich den Flair einer Tiefgarage wiederspiegelt. O.k. o.k, das Licht ist toll 😉, aber sonst… Ich hab gerade geguckt. Das war 1979 – da war ich 14 Jahre alt. Zurück ins Hier und Jetzt bzw. zu letzten Donnerstag. Wir wurden super freundlich begrüßt und auf unserem Platz angekommen konnten wir auch die Masken abnehmen. Viel Abstand zwischen den besetzten Plätzen und es sah so aus, als ob alle buchbaren Sesseln einen Kinofan gefunden hätten. NOMADLAND. Eine leise Geschichte mit sehr viel Tiefgang, die davon erzählt, wie sich Leben jenseits der Großstädte und ohne geregelten, festen Job darstellen kann. Als Arbeitsnomade durch das Land zu ziehen, immer dahin wo gerade eine Ernte oder eine Saison entsprechende Jobs kurzzeitig auf den Markt wirft. Um damit gerade so viel zu verdienen, dass man über die Runden kommt – auf SEHR bescheidenem Niveau. Er erzählt von Schicksalen, Einsamkeit und den vielen Facetten, die so ein Leben mit sich bringen kann. Dem Verständnis für das ” So sein” des/der Anderen ohne den Wunsch sie/ihn zu verändern bzw. seine Sicht der Dinge über zu stülpen und dabei aber nicht mit seinen Gedanken hinterm Berg zu halten und für sich einzustehen. Das Leben zu erleben, Natur zu erfahren – mit “zu schwimmen”. Bei all dem Verzicht auf die für uns so selbstverständlichen Dinge blitzt  ohne Romantisierung auch die Anerkennung durch, dieses “höher, schneller, weiter” bzw. ein “normales” Leben gar nicht (mehr) aushalten zu können. Mich hat dieser Film sehr berührt.  Eine großartige Hauptdarstellerin Frances McDormand, die zurecht einen Oskar für diese einfühlsame und eindrückliche Darstellung erhalten hat. Die Filmmusik von Ludovico Einaudi (der wirklich einzige Pianist den ich erkenne) hat noch ein zusätzliches getan. Der Film hat mich an einem Punkt erwischt an dem ich gerade wieder dabei war mich in die Hängematte der “Opferrolle” zu legen (Arbeit -“geregelt”, Schmerzen, Sinnlosigkeit). Was soll ich kleiner Wicht (Wichtin) schon ausrichten? Tschakka! Klar kann ich was tun! Und wenn ich nur einen Menschen zum Lachen, zum Fühlen, zum Nachdenken anregen oder inspirieren kann, dann hat es sich schon gelohnt meinen Hintern hoch zu kriegen. Nein! Es ist noch lange nicht alles gesagt. Manchmal brauch ich vielleicht eine kurze Pause und dann geht es weiter 😇

Ich wünsche Dir einen guten Start in diese neue Woche.

 

Meditation: Ein Herz für Dich haben – 9 Minuten

Die Collage zeigt spontan ausgewählte Wörter und Bilder aus der Wochenzeitung “Zeit” vom 17.06. bis 23.06.2021 und vom 24.06. bis zum 30.06.2021

Achtung! Nix wenn “Tschakka” gebraucht wird! Leise Musik von Ludovico Einaudi “Nuvole Bianche”

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